Kinderwunsch: Künstliche Befruchtung IVF / ICSI. Follikelpunktion. Embryotransfer. Kyrokonservierung. Wie bitte, was?

Die Ursachen für eine Unfruchtbarkeit eines Paares liegen zu etwa einem Drittel bei der Frau, zu einem Drittel bei dem Mann und bei einem weiteren Drittel an beiden Partnern. Es ist also grundsätzlich wichtig, dass sich vorab beide Partner gründlich untersuchen lassen!

Von Infertilität (Unfruchtbarkeit) wird gesprochen, wenn es trotz regelmäßig ungeschütztem Geschlechtsverkehr innerhalb von einem Jahr zu keiner Schwangerschaft kommt.

Das ist erst mal schade, jedoch kein Weltuntergang. Entgegen der ersten Deutung des Wortes „Unfruchtbar“ bedeutet es nämlich keines Weges, dass man Kinderlos bleiben wird!

#1von7

Als wir 2018 das erste mal einen Fuß in eine Kinderwunschklinik gesetzt hatten, meisterten wir diesen Schritt mit gemischten Gefühlen. Unerfahren und unwissend waren wir quasi Frischfleisch im Kinderwunsch-Dschungel.
Unzählige fremde Begriffe, unsichere Gedanken und überhaupt keine Ahnung von all den Möglichkeiten. Ein bisschen fühlte man sich kaputt und war natürlich auch nervös, zeitgleich voller Hoffnung auf Antworten.

Wir fühlten uns etwas einsam, denn uns war zu diesem Zeitpunkt in kleinster Weise bewusst, wie viele Paare von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen sind. Als ich vom Hashtag #1von7 erfahren hatte beschloss ich also auch unsere Reise mehr zu thematisieren und öffentlich zu machen. Eines von sieben Paaren ist während des Kinderwunsches auf Hilfe angewiesen. Eine Zahl die mich stutzig machte. Denn im Grunde bedeutet sie, dass auch Paare in unserem nahem Umfeld betroffen sein müssten und wir Erfahrungen austauschen könnten.
Tatsächlich habe ich nach der öffentlichen Bekanntgabe auf Instagram einige Nachrichten erhalten. Ihr seid also während eure Kinderwunschreise nie alleine! Eine tolle Community auf Instagram stärkt die Gedanken und fiebert online mit, während sich sicherlich auch nahestehende Personen für den Austausch interessieren!

Eines von sieben Paaren benötigt Unterstützung während des Kinderwunsches, und für jedes Paar gibt es individuelle Lösungswege! Am Ende darf natürlich jedes Paar selbst entscheiden wie es den eigenen Kinderwunsch thematisieren möchte! Wir für unseren Teil haben den für uns richtiges Weg gefunden. Wir stoßen auf viel Verständnis und Interesse, haben einen tollen Austausch und erweitern so regelmäßig auch unser Wissen.


Künstliche Befruchtung: IVF und ICSI.

Generell wird bei der künstlichen Befruchtung zwischen IVF (In Vitro Fertilisation) und ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion) unterschiden.

Je nach Spermienqualität erfolgt die IVF oder ICSI. Bei einer IVF werden 50.000 – 100.000 Spermien zu einer Eizelle pipettiert, das Spermium sucht sich den Weg in die Eizelle eigenständig. Bei einer ICSI wird in das Zellplasma der Eizelle direkt ein Spermium injiziert.

Die Vorbereitung auf eine IVF oder ICSI schaut ersteinmal gleich aus. Bei beiden Verfahren werden bei der Frau durch eine medikamentöse Vorbehandlung optimale hormonelle Bedingungen geschaffen. Durch regelmäßiges spritzen von FSH (Follikel stimmulierendes Hormon) oder eines FSH/LH (Follikel stimmulierendes Hormon/Luteinisierendes Hormon) Gemischs baut sich die Gebärmutterschleimhaut auf und man erzeugt im Bestfall eine recht hohe Anzahl an Eizellen pro Eierstock. Weitere Medikamente werden benötigt um einen vorzeitigen Eisprung zu vermeiden.

Durch regelmäßige Ultraschall Kontrollen, den sogenannten Follikel TV´s, wird während der Behandlung der best mögliche Zeitpunkt für die Auslösespritze bestimmt. Die Gabe von FSH wird eingestellt, durch die Auslösespritze wird das Eibläschen mittels hCG (humanes Choriongonadotropin) auf den Eisprung vorbereitet. Diese wird genau 36 Stunden vor der Punktion gespritzt. Die Eizellreifungsphase wird somit abgeschlossen und die Eizellen lösen sich von der Wand der Eibläschen, der Eisprung wird vorbereitet.


Follikelpunktion und Transfer

Die Follikelpunktion ist ein kleiner, operartiver Eingriff welcher in der Regel unter einer Kurznarkose stattfindet. Mit Hilfe einer Kanüle werden die Eizellen aus den Eibläschen entnommen. Nach dem Eingriff erfährt man bereits wie viele reife Eizellen gewonnen werden konnten.

Für die Befruchtung der Eizellen wird der frische Samen, also das Sperma des Mannes benötigt. Während die Frau ihre kleine OP bekommt, gibt der Mann seine Spermaprobe ab. Im Labor wird das Ejakulat speziell aufbereitet, um die Spermien optimal befruchtungsfähig zu machen. Dies nimmt etwa drei Stunden Zeit in Anspruch.

Daraufhin werden Ei- und Samenzellen in einer Nährflüssigkeit in einem Glasschälchen zusammengebracht und im Brutschrank für 24 Stunden kultiviert. Nachdem nun festgestellt wurde, wie viele Eizellen es in das sogenannte Vorkernstadium erreicht haben, wird entschieden, welche und wieviele befruchtete Eizellen weiter kultiviert werden und welche Eizellen eingefroren werden sollen.

Die Kultur wird üblicherweise 2-3 oder 4-5 Tage lang durchgeführt. Im Bestfall hat es eine oder mehrere befruchtete Eizellen am vierten Tag zu einer schönen „Morula“ gebracht. Beim Transfer spricht man bereits vom Embryotransfer. Sind mehrere gut entwickelte Eizellen vorhanden, wartet man gerne bis zum 5. Tag und spricht dann von einem Blastozystentransfer. Von einer Blastozyste spricht man bei einer am fünften Tag optimal entwickelten Eizelle.

Generell ist in Deutschland das Einsetzen von höchstens drei Eizellen erlaubt. Weitere, befruchtete Eizellen können für spätere Zyklen eingefroren werden, dies nennt man Kryokonservierung.


Kryokonservierung, das Einfrieren von Eizellen

Es besteht die Möglichkeit, Eizellen im Vorkernstadium für spätere Zyklen einzufrieren und so für mehrere Jahre aufzubewaren. „Vorkernstadium“ bedeutet, dass eine Befruchtung erfolgt ist, jedoch noch keine Verschmelzung der Erbanlage stattgefunden hat.

Eizellen werden in der Regel nur dann eingefroren, wenn überschüssige befruchtete und qualitativ hochwertige Eizellen vorhanden sind.

Die Kryokonservierung ist quasi ein geniales Backup. Kam es nach dem Transfer zu keiner Schwangerschaft, und eine nochmalige Behandlung soll durchgeführt werden, muss die Hormonstimulierung und die Eizellgewinnung nicht nochmals durchgeführt werden.


Dieser Beitrag stellt kein Leitfaden dar, sondern bietet viel mehr eine kleine Übersicht mancher Hilfestellungen und erster Fragen. Ich versuche hier eine stille, unbekannte Freundin zu sein und vielleicht etwas Mut zu machen. Scheue dich nicht bei Unklarheiten einfach zu schreiben und deine Fragen zu stellen. Wichtig: Ich bin kein Arzt und kann nur meine Erfahrung und meine Erkenntnisse teilen. Fundiertes Wissen und Behandlungstipps erfährst du immer in enger Rücksprache mit deinem behandelten Arzt!

Sidenote: Meine wunderhübschen Meilensteinkarten sind von der lieben @doerpen.deern.design (www.doerpendeern.de) – und das ist keine bezahlte Werbeanzeige, sondern einfach nur ein Wink mit dem Zaunpfahl, weil ich die Kärtchen und ihre Arbeit sehr liebe!

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