Kinderwunschbehandlung #icsikriegerin

„Glaubst du, es hat geklappt?“

„Ich weiß es nicht, ich fühle mich schon ein bisschen so“


Unser erster ICSI Zyklus mit allen Höhen und Tiefen liegt hinter uns. Entgegen der größten Hoffnung und einem positiven Schwangerschaftstest am Samstag vor dem Bluttest, hat uns dieser erste ICSI Versuch zwar nicht zu Eltern gemacht, uns jedoch um einige Erfahrungen reicher werden lassen.

Ich sitze eingekuschelt auf der Couch und versuche eloquente Worte für unsere Erfahrungen der letzten Wochen zu finden. Mein Jahr war schwierig. Ich musste auf die harte Tour spüren, dass mir das Schreiben wirklich sehr hilft Dinge zu verarbeiten und zu sortieren. Jetzt jedoch, sitze ich vor meinem Tablet und finde nicht die richtigen Worte um wiederzugeben wie ich mich während der Kinderwunschbehandlung gefühlt habe.

Wie beschreibt man das stetige Auf und Ab? Das Wirrwarr im Kopf, die Trauer und zugleich Verständnis darüber, dass es beim ersten Versuch vielleicht nicht geklappt hat? Ich fühlte mich während der letzten Wochen hoffnungsvoll, ja sogar ein bisschen schwanger, am anderen Tag fühlte ich Leere und Ungewissheit.
An einem Tag spürte ich das Ziehen und die vergrößerten Eierstöcke. Ich war müde von all den Hormonen die ich während der letzten Wochen gespritzt hatte. Zum Glück hatte ich diese Zeit ohne große Nebenwirkungen oder Stimmungsschwankungen durchstanden.
Am nächsten Tag spürte ich rein gar nichts und hatte plötzlich eine innere Angst die mir sagte: die Reise ist an dieser Stelle vorbei.
Im selben Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher als die Beschwerden vom Vortag zurück. Ich zählte die Tage bis zum Bluttest, war nervös und hielt die Spannung kaum aus. Ich griff zu einem Frühschwangerschaftstest, negativ. Konnte das wirklich sein, oder war es zu früh um den Test zu machen? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Spielte mir mein Kopf und Bauchgefühl so einen großen, gemeinen Streich?

Die Ungewissheit machte mich beinah verrückt, der Kinderwunsch Gedanke schoss in mir hoch, bohrte sich den Weg durch mein Inneres, bis er mich voll einnahm und ich an nichts anderes mehr denken konnte. Also griff ich zum nächsten Test, positiv. Konnte das wirklich sein, war der erste Test fehlerhaft? Sollte es beim ersten Versuch geklappt haben? Ich war unendlich glücklich und angespannt zugleich, würde ich einen weiteren Rückschlag dieses Jahr verkraften? Ich hab schon so viele Tränen vergossen, sollte dieser Test also der Beginn von einem neuen, wunderschönen Abschnitt meines Lebens sein?

Der Test am Folgetag war wieder negativ, wie letztlich auch der Bluttest.

Freundinnen haben mich während unseres ersten ICSI Zykluses immer wieder gefragt wie es mir ginge. Sie waren neugierig, interessiert und fieberten mit uns mit. Ich hatte nie eine richtige Antwort parat, da ich es oft selbst gar nicht wusste. Mir ging es gut, ein bisschen schlapp vielleicht, aber im Großen und Ganzen fehlte mir nichts.
Im Grunde war ich während der zwei Wochen nach dem Transfer Antwort suchend. Mit jedem Tag stieg die Ungeduld und das einzige was ich machen konnte war geduldig sein oder diese Testreihe zu starten. Jeden Morgen über einen Schwangerschaftstest strullern und auf einen zweiten Strich zu hoffen. Mein Kopf spielte mir vielleicht einen Streich und ich bildete mir die ersten Symptome ein. Vielleicht waren all die Anzeichen aber auch Nachwirkungen der Punktion und der Hormonbehandlung. Oder Sie hätten bedeuten können, dass sich unser kleines Eibläschen einnistet und wir das Etappenziel erreicht haben.

Rückblickend hätte ich vielleicht keine Testreihe starten sollen, ich war verunsichert, enttäuscht und irgendwie angespannt. Natürlich soll jedes Paar für sich selbst entscheiden, ob langes Warten oder jeden Morgen die Anspannung das richtige ist. Jede Kinderwunschbehandlung ist anders und auch jede von uns fühlt anders. Ein eindeutiger Test kann vielleicht auch erleichternd sein.

Kurz um, die Behandlung selbst und die zwei Wochen nach Transfer waren aufwühlend und ungewiss. Ich hatte es nicht ausgehalten und eine eigene Testreihe gestarte.
Diese hatte mich völlig aus dem Vertrauen gebracht und mehr verunsichert. Plötzlich spielt dir dein Auge einen Streich und du siehst da einen zweiten Strich, ganz leicht und kaum zu erkennen. Im ersten Moment hab ich mich riesig gefreut! Ich hatte ein Bild vom Test an meine Freundin geschickt die auch gleich eine zweite Linie erkennen konnte. Ganz leicht, kaum merklich. Jochen und ich waren ganz aus dem Häuschen. Wir hatten gegoogelt und viel von Verdunstungslinien gelesen. In einigen Fällen war der Test aber wirklich positiv gewesen, auch wenn die Linie nicht so gut zu erkennen war. Also machten wir voller Hoffnung einen Tag später einen weiteren Test, dieser war eindeutig negativ.

Zwei Tage nach diesem verwirrenden Wochenende war endlich der Tag der Gewissheit gekommen. Ich fuhr morgens nach Heidelberg zum Bluttest. Alles an diesem Tag war spannend. Die Blutabnahme war sehr schwierig, die Schwester konnte erst keine Vene finden, ich saß 45 Minuten in dem kleinen Raum. War anfangs verunsichert und zum Ende richtig genervt. Beide Arme und Hände waren verstochen und schmerzten. Letztlich konnte mir die freundliche Krankenschwester mit entschuldigendem Blick genug Blut für den Test abnehmen.

Die Zeit zwischen Blutabnahme und dem erlösenden Anruf aus der Klinik schienen unendlich.

Sechs Stunden der Ungewissheit. Plötzlich klingelte das Telefon. Beinah erschrocken hob ich ab um mein Ergebnis zu erfahren, welches ich ohnehin schon erahnt hatte: nicht schwanger. Der Tag war wirklich aufwühlend und traurig. Immer wieder als ich die Einstichstellen der Blutabnahme auf meinen Händen sah, schossen mir die Tränen in die Augen. Wir weinten gemeinsam, waren traurig und zugleich ein bisschen erleichtert. Die schwere Anspannung fehlte plötzlich.
Es wäre wirklich unendlich schön gewesen, bereits beim ersten Versuch erfolgreich zu sein, aber wir versuchten positive Gedanken zu fassen. Vom ersten Versuch ist noch nicht alles verloren, da wir noch zwei gut entwickelte Eibläschen eingefroren haben.

Als Nächstes werden wir in den Kryozyklus starten und unsere eingefrorenen Eibläschen abholen. Wir haben unsere Hoffnung wieder gefunden. Und ich bin dankbar für meinen Mann der mich immerzu stärkt, neben seinen Gedanken und Wünschen mich immer wieder trägt und meine Hormonschwankungen erträgt. Auch für unsere Männer ist der Kinderwunsch nicht leicht! Ich finde es sogar sehr schade, dass Jochen an der Behandlung und dem Transfer nur teilhaben kann, indem ich versuche ihm alles genau zu erzählen. Es wäre etwas schöner und einfacher, wenn Jochen mit in den Behandlungsraum kommen dürfte, wenn er meine Handhalten und dabei sein kann. Aber so ist es eben gerade.

Wir bleiben positiv und hoffnungsvoll. Ich möchte jedoch bei unserem zweiten Versuch entspannter und losgelöster zu sein. Ich möchte mich nicht zu sehr zu verkopfen und einfach mit Vertrauen in die Behandlung starten.

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