Pandemüde.

Ich sitze auf der Couch und starre. Ich starre einfach vor mich her, der Kopf ist leer und mein Körper träge. Lustlos öffne ich Netflix, scrolle durch das Angebot und beschließe den Fernseher wieder abzuschalten. Meine Hand findet ganz automatisch den Weg zu meinem Smartphone. Ich öffne Instagram, klicke ein bisschen durch die Stories und bin bereits nach der dritten One-Pot Pasta und dem fünften Tik-Tok Video genervt. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal das Haus verlassen? Meine sozialen Kontakte außerhalb der Sozialen Medien beschränkt sich auf meinen Mann, ein befreundetes Paar, meinen Eltern und den vier Arbeitskollegen im Büro. Abgesehen von den Kollegen und meinem Ehemann sehe ich die vier auserwählten Personen meines engen Kreises sporadisch und nicht einmal regelmäßig. Ich bin allmählich Pandemüde und finde weder Ruhe noch eine richtige Aufgabe, während sich ein Lagerkoller schwer über mich legt.

Meine Hoffnung lag schwer auf 2021. Ich war sicher, dass wir nach dem vergangenen, ungewöhnlichen Jahr neue Kraft schöpfen und mit einer sicheren Gewissheit unser Hochzeitsfest planen können.

Aktuell zieht sich der Lockdown und während die Pausetaste noch fest gedrückt ist, sprechen Politiker und Medien bereits von einer dritten Welle, welche mindestens genau so folgeschwer wie die aktuelle werden soll. Während ich dem Radio lausche überkommt mich das Fernweh. All die mit Trübsal gefüllten Gedanken wiegen Tonnen schwer, ich brauche dringend Abwechslung, einen Tapetenwechsel und frische Luft. Aber was soll ich sagen, es geht uns doch allen so.

Es geht also raus, ich beginne zu spazieren und bereits nach wenigen Metern spüre ich kraftspendend die Sonne auf meiner Haut, nehme noch einen tiefen Atemzug und genieße den Augenblick. Ich halte mich an die Natur, sehe mich vielleicht zum ersten Mal so richtig um und erkenne die Schönheit und die Ruhe. Meine Gedanken kreisen, eigentlich ist für mich doch gar nicht alles so schlimm und langweilig. Ich sehe klarer und plötzlich fallen mir ein paar tolle Dinge ein, welche ich mir fest für den weiteren Lockdown vornehme möchte.

Ich verlasse mein enges Gedankenkarussell und rutsche nicht tiefer in den tristen Corona-Strudel, plötzlich sehe ich Möglichkeiten. Eigentlich haben wir auch während unseres Stillstandes ganz schön weiter entwickelt: Ich hatte bereits mehrere Onlinekurse zu Kalligrafie und Aquarell absolviert, wir haben ein Gewerbe angemeldet und wollen mit Mister & Misses B. direkt durchstarten. Wir haben schon ein paar wunderbare, kleine Aufträge bekommen und freuen uns immer wieder wie bolle, wenn eine neue Anfrage ins Postfach flattert.
Außerdem sind wir mit der kulinarischen Weltreise super beschäftigt. Wir dürfen nicht reisen? Naja, was auf den eigenen Tisch kommt kann uns niemand nehmen – also haben wir gemeinsam mit oben genanntem Pärchen einen Deal zu Weihnachten gemacht. Wir überlegten uns 12 Länder und werden jeden Monat einen Themanabend dazu abhalten, im Wechsel wird je ein Land gezogen.

Was unternehmt ihr um in der wilden Zeit nach vorne zu schauen?


Foto: Sabi et Nico

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